Unser Friedhof
Die Kirche war und ist der Mittelpunkt eines Kirchdorfes. In ihrem Innern fanden z.B. Kirchenpatrone, Amtmänner, Bauernvögte, Pastoren und Kirchenjuraten, ihre letzte Ruhestätte; die anderen Gemeindemitglieder wurden um die Kirche herum bestattet.
Über viele Jahrhunderte war auch die Sieker Kirche von einem Kirchhof umgeben, der nicht nur für Siek, sondern für alle Dörfer des Kirchspiels die letzte Ruhestätte für ihre Bewohner bot. Dieser Kirchhof wurde mit den steigenden Einwohnerzahlen allmählich zu klein und Anfang der 50er Jahre anlässlich des Baus der neuen Kirche von 1954/1956 geschlossen und der neue Friedhof, der über eine Birkenallee von der Kirche aus zu erreichen ist, eröffnet.
Der Kirchhof war der Hof außerhalb der Kirche und erst ganz allmählich bürgerte sich der Brauch ein, diesen Kirchhof auch einzufriedigen, zu „befrieden“, wodurch der „Kirchhof“ zum „Friedhof“ wurde.
Heute sehen wir den Friedhof als Ort der Ruhe und der Stille, ein Ort des Friedens. Das war aber über viele Jahre nicht so, wie aus vielen Unterlagen, z. B. der Chronik des ehemaligen Amtes Steinhorst oder Visitationsprotokollen zu erkennen ist, aus denen wir zitieren:
Ruhestätte
Aus einem Visitationsprotokoll aus dem Jahre 1581 geht hervor, dass damals etwa die Hälfte aller Kirchhöfe noch nicht eingefriedet war und keinerlei Abschirmung gegen die dörfliche Gemeindeweide besaß!
Missstände
Die notwendigen unausbleiblichen Folgen waren für unsere Begriffe erschreckend. Das Vieh des Dorfes, und nicht nur das Federvieh, hatte freien Zugang zum Kirchhof; Kühe und Pferde grasten zwischen den Gräbern, Schweine wühlten die Erde auf.
Oft war es nicht nur die mangelnde Aufsicht, die diese verheerenden Zustände verschuldete, denn vielfach wurde das Vieh gewohnheitsmäßig und bewusst auf die Kirchhöfe getrieben, um dort den Graswuchs zu nutzen.
Noch am 17 Juli 1737 sah sich das Konsistorium in Ratzeburg genötigt, eine „Currende wider den Missbrauch, dass die Kirchhöfe auf dem Lande mit Pferden und Rindvieh betrieben werden“, zu erlassen.
Um diese Missstände zu beseitigen, wurde z. B. im Dorf Siebenbäumen beschlossen, dass jedes zum Kirchspiel gehörende Dorf entsprechend seiner „Seelenzahl“ Feldsteine sammeln und anfahren musste, um eine Friedhofsmauer zu errichten.
Auf dem Sieker Kirchengelände müssen ähnliche Zustände geherrscht haben, denn Pastor Stevens schreibt 1662 in einem Bericht an seinen Propst von einem „übel verwahrlosten Kirchhof , einer Schindergrube nicht unähnlich“.
Der Kirchhof bot also Grund für viele Ärgernisse unter den Lebenden und es bedurfte unendlicher Bemühungen und vieler Jahrzehnte, bevor aus dem Kirchhof von damals der gepflegte „Friedhof“ von heute wurde.
Am Eingang des Sieker Friedhofs steht ein schönes Efeukreuz. Es wurde aus einem Eichenstamm gefügt und im Lauf der Jahre mit Efeu so überwachsen, dass es sich kaum noch vom üppigen Grün der Birken abhebt. Aber es ist da, es spricht zwar leise, aber doch eindringlich zu uns.
Weitere Informationen zum Friedhof:
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